Ein Jahr «Aufsuchender Dienst Forensic Nurses»: Meilenstein in der forensischen Opferbetreuung
Medienmitteilung 01.04.2025
Der Kanton Zürich macht mit dem «Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses» einen bedeutenden Schritt in der forensischen Opferbetreuung. Das innovative Zürcher Modell bietet Opfern sexueller und häuslicher Gewalt niederschwellige und professionelle Unterstützung. Seit der Inbetriebnahme im Frühling 2024 haben speziell ausgebildete Pflegefachpersonen bei rund 200 Gewaltopfern Spuren gesichert und in rund 170 Fällen telefonische Unterstützung geleistet. Zum einjährigen Bestehen hat der Zürcher Regierungsrat eine positive Zwischenbilanz gezogen und dabei sowohl den Erfolg des Projekts als auch die Synergien zwischen den beteiligten Direktionen hervorgehoben.
Der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» wurde im Frühling 2024 am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich in Betrieb genommen. Er wird in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsdirektion, der Direktion der Justiz und des Innern, der Bildungsdirektion und der Sicherheitsdirektion umgesetzt (vgl. Regierungsratsbeschluss Nr. 1320/2023). Das Zürcher Modell verfolgt das Ziel, allen Opfern, unabhängig von Alter und Geschlecht, eine niederschwellige und professionelle Unterstützung zu bieten. Speziell ausgebildete Pflegefachpersonen – sogenannte Forensic Nurses – rücken an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr in alle Notaufnahmen der Zürcher Spitäler aus. Der Dienst schliesst eine Lücke, indem Betroffene auch dann eine professionelle Spurensicherung erhalten, wenn keine Strafanzeige erstattet wird. Die Forensic Nurses vernetzen die Gewaltbetroffenen mit der Opferberatung und sensibilisieren in den Spitälern und Fachorganisationen für die frühzeitige Erkennung von sexueller und häuslicher Gewalt. Parallel dazu unternimmt auch die Opferhilfe viel, um Opfer noch besser unterstützen zu können. So wird die Opferhilfe ab November 2025 telefonisch rund um die Uhr für Erstauskünfte und Krisenberatung erreichbar sein. Auch die Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich mit der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz von Gewaltopfern.
Zum einjährigen Bestehen lud die Zürcher Regierung zum Informationsanlass ein. Regierungspräsidentin und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli, Justizdirektorin Jacqueline Fehr, Bildungsdirektorin Silvia Steiner und Sicherheitsdirektor Mario Fehr sprachen über Synergien zwischen Gesundheitswesen, Justiz, Bildung und Polizei sowie aktuelle Herausforderungen und Perspektiven im Opferschutz. Regierungspräsidentin Natalie Rickli hob hervor: «Das Zürcher Modell ist ein innovativer Schritt in der Opferbetreuung und setzt neue Massstäbe in der Versorgung von Gewaltopfern. Die Zwischenbilanz ist positiv. Neben der besseren Betreuung der Opfer hat die vermehrte strafrechtliche Verfolgung auch einen starken präventiven Charakter.»
Erfolgreiche Bilanz im ersten Betriebsjahr
Innert eines Jahres hat der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» bei rund 200 Opfern von sexueller und häuslicher Gewalt erfolgreich Spuren gesichert. Hinzu kommen rund 170 Fälle, in denen telefonische Unterstützung geleistet wurde. Etwa die Hälfte der untersuchten Opfer waren Betroffene von Sexualdelikten, die andere Hälfte Betroffene von häuslicher Gewalt. Die Mehrzahl der Opfer war weiblich und im Alter von 16 bis 35 Jahren. Bemerkenswert ist, dass in diesem ersten Jahr 21 Opfer nachträglich eine Strafanzeige einreichten. Zum Vergleich: In den 13 Jahren zuvor, in denen bei nicht erfolgter Anzeige die Spurensicherung durch das Spitalpersonal stattfand, gab es nur eine nachträgliche Anzeige. Dies verdeutlicht, dass das Zürcher Modell nicht nur den Opfern bessere Unterstützung bietet, sondern auch die strafrechtliche Verfolgung entscheidend vorantreibt.
Der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» wird während drei Jahren als Pilotprojekt bis Ende 2026 geführt und entsprechend evaluiert. Bereits heute wird klar, dass er eine wertvolle Unterstützung für Gewaltopfer bietet. Die positive Zwischenbilanz bildet eine gute Grundlage, um das Modell in die Regelstrukturen zu überführen. Die Ziele für dieses Jahr sind, die Bekanntmachung insbesondere in der breiten Bevölkerung weiter zu fördern. Opfer von Straftaten sollen wissen, dass sie im Spitalnotfall die Möglichkeit haben, Spuren professionell sichern zu lassen – auch ohne eine Strafanzeige zu erstatten.
Forensic Nurses: Unterstützung für Gewaltopfer rund um die Uhr
Forensic Nurses sind speziell ausgebildete Fachkräfte, die kostenlos zu allen Notfallstationen der Spitäler im Kanton Zürich ausrücken. Sie übernehmen eine wichtige Rolle in der medizinischen und forensischen Betreuung von Opfern sexueller und häuslicher Gewalt.
- Erreichbarkeit und Einsatz: 24/7 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer: 0800 09 09 09.
- Spurensicherung und Dokumentation: Die Forensic Nurses sichern gerichtsverwertbare Spuren und dokumentieren Verletzungen (z. B. DNA-Abstriche, toxikologische Proben).
- Beratung und Betreuung: Die Forensic Nurses informieren Betroffene über ihre Rechte und Möglichkeiten und vermitteln für die weitere Unterstützung und Begleitung an Opferberatungsstellen, die zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
- Sensibilisierung und Weiterbildung: Die Forensic Nurses tragen aktiv dazu bei, das medizinische Personal in den Spitälern zu sensibilisieren und auf die frühzeitige Erkennung von sexueller und häuslicher Gewalt vorzubereiten. Diese Weiterbildung stärkt das Netzwerk im Kanton Zürich und verbessert die Versorgung der Opfer.
Die Forensic Nurses können mit Einverständnis des Opfers weitere Unterstützungsangebote, z.B. durch eine Opferberatungsstelle oder einen Platz in einer Schutzunterkunft, organisieren. Die enge Zusammenarbeit mit der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich stellt sicher, dass Betroffene schnell Schutzmassnahmen erhalten.