Opferbetreuung durch Forensic Nurses

Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt werden im Kanton Zürich in allen Spitälern mit Notfallstation untersucht und medizinisch betreut. Die Spitäler können zur forensischen Spurensicherung den Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses zu jeder Zeit 365 Tage im Jahr kostenlos beiziehen.

Hilfe nach sexueller oder häuslicher Gewalt

Wenn Sie ein Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt geworden sind, holen Sie sich Unterstützung.

Rufen Sie als Opfer von sexueller oder häuslicher Gewalt oder als involvierte Fachperson die Forensic Nurses zur Hilfe.


+41 80 009 09 09

Illustration mit sitzender, verzweifelter, beschämter Frau und grosser helfender Hand, die zu ihr runterkommt plus Sprechblase mit Nummer der Forensic Nurses

Betreuung und Spurensicherung innert 72 Stunden 

Sexuelle und häusliche Gewalt hinterlässt Spuren – sowohl seelisch als auch körperlich, bei Frauen und Männern.

In allen Notfallstationen der Spitäler im Kanton Zürich erhalten Betroffene rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr sofortige Hilfe. Mit Ihrem Einverständnis werden Forensic Nurses hinzugezogen. Sie untersuchen und versorgen Sie mit Unterstützung des Spitalpersonals, sichern Beweise, beraten Sie und helfen bei der Kontaktaufnahme mit Opferhilfe-Beratungsstellen.

Die medizinische Untersuchung dient Ihrer Gesundheit. Verletzungen können behandelt und Krankheiten verhindert werden. Spuren können auch ohne eine Anzeige bei der Polizei gesichert werden. Falls Sie später eine Strafanzeige erstatten möchten, ist die rechtsmedizinische Untersuchung wichtig. Diese ist für Sie kostenlos.

Duschen oder Kleiderwechsel können Spuren zerstören. Wenn möglich, vermeiden Sie dies vor der Untersuchung. Spuren sollten innerhalb von 72 Stunden nach der Tat gesichert werden.

Forensic Nurses und das Spitalpersonal unterliegen der Schweigepflicht und müssen keine Anzeige erstatten.

Schon länger her

Auch wenn der Gewaltvorfall mehr als 72 Stunden zurückliegt, erhalten Sie Unterstützung bei der Verarbeitung und den Folgen der erlittenen sexuellen oder häuslichen Gewalt. Mit Ihrem Einverständnis können Forensic Nurses weitere Hilfsangebote organisieren, z. B. die Unterstützung durch eine Opferberatungsstelle oder einen Platz in einer Schutzunterkunft.

Die Opferhilfe bietet kostenlose und vertrauliche Unterstützung – rechtlich, psychologisch und finanziell –, um Sie in diesem schwierigen Prozess zu begleiten. Sie hilft auch bei der Entscheidung, ob eine Strafanzeige sinnvoll ist.

Das Angebot der Opferhilfe des Kantons Zürich steht Frauen und Männern offen. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.

Notruf 117 und Strafanzeige

Wenn Sie den Vorfall sofort melden möchten, wenden Sie sich direkt an die Polizei. Sie dürfen wählen, ob Sie von einer Person des gleichen Geschlechts befragt werden, und können eine Vertrauensperson mitbringen.

Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und häusliche Gewalt sind Straftaten, die automatisch verfolgt werden. 

Was die Forensic Nurses leisten

Zürcher Modell

Der Aufsuchende Dienst der Forensic Nurses gehört zum Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Diese speziell ausgebildeten Fachkräfte sind für alle Notfallstationen der Spitäler im Kanton Zürich im Einsatz. Sie untersuchen und beraten Betroffene von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder häuslicher Gewalt und dokumentieren Spuren der Tat. 

Mit Zustimmung der betroffenen Person können Forensic Nurses jederzeit und kostenlos unter der Telefonnummer 0800 09 09 09 angefordert werden. Das «Zürcher Modell» bietet eine 24/7-Verfügbarkeit – 365 Tage im Jahr. 

Die Betreuung erfolgt auch ohne eine Anzeige bei der Polizei. Dank der forensischen Expertise wird die Qualität der Spurendokumentation verbessert, sodass sie als Beweismittel vor Gericht genutzt werden kann. Dies erleichtert eine mögliche spätere Strafanzeige.

Der Dienst steht allen Opfern sexueller und häuslicher Gewalt offen – unabhängig von Geschlecht und Alter.

Tätigkeiten der Forensic Nurses

  • Dokumentation und Spurensicherung: Sie sichern gerichtsverwertbare Spuren und dokumentieren Verletzungen, z.B. DNA-Abstriche, toxikologische Proben.
  • Beratung und Betreuung: Sie informieren die Betroffenen über ihre Rechte und Möglichkeiten und vermitteln für die weitere Unterstützung und Begleitung an Opferberatungsstellen.
  • Sensibilisierung und Weiterbildung: Die Forensic Nurses sensibilisieren das medizinische Personal in den Spitälern und bereiten es auf die frühzeitige Erkennung von sexueller und häuslicher Gewalt vor. 

Vorteile des Zürcher Modells

Anforderungen der Istanbul-Konvention

Eine Arbeitsgruppe hat geprüft, ob der Kanton Zürich die Anforderungen der Istanbul-Konvention erfüllt. Für die forensische Spurensicherung wurde empfohlen, spezialisierte Fachkräfte einzusetzen. Vor dem 1. April 2024 fand eine forensische Untersuchung nur statt, wenn das Opfer die Polizei hinzuzog. Daher hat der Regierungsrat beschlossen, am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich den Aufsuchenden Dienst der Forensic Nurses einzurichten.

Zusammenarbeit zwischen Forensic Nurses, Opferhilfe und Polizei

Mit dem «Zürcher Modell» nutzt der Kanton Zürich vorhandene Ressourcen und Kompetenzen, um ein leicht zugängliches und rund um die Uhr verfügbares Angebot für die professionelle Betreuung von Opfern sexueller und häuslicher Gewalt zu schaffen – unabhängig von Alter und Geschlecht. Durch die enge Zusammenarbeit von Forensic Nurses, Polizei und Opferhilfe erhalten Betroffene die bestmögliche Unterstützung, auch dann, wenn sie keine Strafanzeige erstatten.

Weiterbildung und Sensibilisierung

Ein wichtiger Bestandteil des «Zürcher Modells» ist die kontinuierliche Weiterbildung des Gesundheitspersonals. Forensic Nurses schulen Fachkräfte in Spitälern, damit sie häusliche und sexuelle Gewalt frühzeitig erkennen. Dies stärkt das Unterstützungsnetz im Kanton Zürich und fördert das Bewusstsein für Gewaltprävention. Zudem sorgt es dafür, dass das Wissen über sexuelle und häusliche Gewalt ständig erweitert und die Versorgung der Betroffenen verbessert wird.

Pilotprojekt

Der Aufsuchende Dienst Forensic Nurses wurde im Frühjahr 2024 in Betrieb genommen. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das bis Ende 2026 läuft. Das Pilotprojekt wird von der Gesundheitsdirektion, der Direktion der Justiz und des Innern sowie der Bildungsdirektion gemeinsam getragen.

Weiterführende Informationen

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Kontakt

Gesundheitsdirektion – Amt für Gesundheit

Adresse

Stampfenbachstrasse 30
Postfach
8090 Zürich
Route (Google)

Telefon

+41 43 259 51 00

E-Mail

afg@gd.zh.ch

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