«Das Schreiben war für mich kein Muss»
Schulblatt 07.03.2025
Gianna Cortesi (18), 6. Klasse, Kantonsschule Zimmerberg, hat für ihre Maturarbeit einen philosophischen Roman verfasst.
Text: Julia Driesen-Rosenberg Bild: Sabina Bobst
Knapp 300 Seiten umfasst das literarische Erstlingswerk von Gianna Cortesi, fast doppelt so viele wie ursprünglich veranschlagt. Für die Autorin wenig überraschend, wie sie selber sagt. «Ich schreibe schon immer sehr gerne, bei schulischen Arbeiten musste ich meist kürzen.» Kein Wunder also, dass sie sich für die Maturitätsarbeit an einen philosophischen Jugendroman gewagt hat.
Ihrer kreativen Leidenschaft einmal freien Lauf lassen zu können, habe ihr viel Freude gemacht, erzählt die 18-Jährige. Dabei half auch das Thema, das sie besonders berührte: Ihr Buch zeichnet die lange und beschwerliche Reise der jungen Haniyeh nach, die als Siebenjährige aus ihrer Heimat Afghanistan fliehen musste und die sie persönlich kennt.

Das Schreibprojekt beschäftigte sie von der Idee bis zur fertigen Maturarbeit rund zehn Monate lang. «Und weil ich ein wenig perfektionistisch veranlagt bin, könnte ich jede Seite gleich noch einmal überarbeiten», schiebt die Nachwuchs-Autorin lachend hinterher.
In ihrem Roman spricht Gianna Cortesi, wie sie selbst sagt, «unbequeme Themen» an. Warum, fragt sie, bestimmt manchmal der Geburtsort das Schicksal einer Person, warum haben manche Menschen so viel und andere so wenig?
«Manchmal ist es nicht leicht, die tägliche Balance zu finden.»
Gianna Cortesi, Maturandin
Sie bezieht ihre Leserinnen und Leser mit ein und möchte dadurch Empathie für die Situation von Haniyeh wecken. Während des gesamten Schreibprozesses und beim methodischen Vorgehen, etwa bei der Wahl der Ich-Form als Erzählperspektive, stand ihr ihre Deutschlehrerin als Betreuungsperson zur Seite. Bei der täglichen kreativen Arbeit setzte sich die Jugendliche klare Etappenziele und genoss das selbstbestimmte Arbeiten.
Einmal abseits vom sonst klar strukturierten schulischen Alltag tief in ein Thema einzutauchen, habe ihr gut getan: «So habe ich wenig Druck verspürt. «Das Schreiben war für mich kein Muss» sondern mehr ein ‹ich darf weiterschreiben, ich kann endlich weiterschreiben›.» Sehr geholfen habe ihr auch, frühzeitig mit der Ideenfindung zu beginnen. Gab es spezielle Herausforderungen während der Projektphase? «Manchmal ist es nicht leicht, die tägliche Balance zu finden zwischen zu viel und zu wenig schreiben.»
Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs steht die Benotung der Maturarbeit noch aus. Die bisherigen Rückmeldungen aus der Projekt-Präsentation, ihrem privaten Umfeldund ihrer Betreuungsperson sind laut Gianna Cortesi jedoch sehr positiv: «Meine Deutschlehrerin sagt, dass ich stolz auf mich sein könne und es eine Riesenleistung sei, eine solche Maturarbeit auf die Beine zu stellen.»
Derzeit prüft die Maturandin die Optionen für eine Veröffentlichung ihres Erstlingswerks. Bis es so weit sei, gebe es im Lektorat aber noch einiges zu tun: «Zufrieden bin ich erst, wenn mir wirklich jede Seite zu hundert Prozent gefällt».