Jojo Mayer erhält den Kulturpreis des Kantons Zürich
Medienmitteilung 25.02.2025
Gestützt auf die Vorschläge der kantonalen Kulturförderungskommission hat der Regierungsrat die kulturellen Auszeichnungen und Preise des Kantons Zürich für 2025 vergeben. Der Kulturpreis geht an den Schlagzeuger Jojo Mayer, die beiden Förderpreise an die Tänzerin und Choreografin Jamuna Mirjam Zweifel und den Kunstraum Les Complices*. Die beiden Ehrenmedaillen 2025 gehen an die Literaturschaffende Ilma Rakusa und die Schauspielerin Heidi Diggelmann.

Jojo Mayer geboren 1963 in Zürich, verbrachte seine frühe Kindheit auf Reisen durch Europa und den fernen Osten. Bereits mit zwei Jahren spielte er das erste Mal in der Öffentlichkeit Schlagzeug, gemeinsam mit seinem Vater an einer Matinee in Hongkong, seine musikalischen Fähigkeiten erwarb er sich jedoch weitgehend autodidaktisch. Mit 18 Jahren erhielt er sein erstes festes Engagement bei der Monty Alexanders Band und tourte ausgiebig durch ganz Europa auf Jazzfestivals wie in Montreux, Nizza oder Athen. Dieser fulminante Karrierestart verschaffte ihm internationale Aufmerksamkeit und führte zu Zusammenarbeiten mit Jazzgrössen wie Dizzy Gillespie oder Nina Simone. 1991 zog er nach New York und wurde kurze Zeit später Mitglied der experimentellen Rockband Screaming Headless Torsos, die innert kürzester Zeit Erfolge feierte.
Jojo Mayer zeigte sich von den neuen elektronischen Elementen in der Musik beeindruckt. Er organisierte Partys und Konzerte in New York, auf denen er mit seiner Formation Nerve auftrat. Diese Band spielte Techno und Drum ’n’ Bass, imitierte dabei aber die elektronischen Elemente auf herkömmlichen Instrumenten. «Reverse engineering» nannten sie das: Eine Rückübertragung von digitaler Musik ins Analoge. Nerve wurde mit diesem Prinzip immer erfolgreicher und tourte um die ganze Welt. Jojo Mayer führte damit die Bewegung einer ganzen Generation von Schlagzeugern an, die Maschinenklänge auf akustischen Instrumenten nachbildeten. In seinem neusten Projekt «Me/Machine» interagiert sein Schlagzeugspiel mit Klängen, die von einer KI erzeugt werden. Es ist ein Duett zwischen einer Maschine, die menschliches Verhalten imitiert und einem Menschen, der die Eigenheiten der Maschine imitiert.
Jojo Mayer ist eine Legende des Schlagzeugs. Er gilt als einer der technisch versiertesten Drummer weltweit, der die Geschichte des Schlagzeugs mitgeprägt hat. Ob als Drummer seiner Band Nerve, als freier Jazzimprovisator oder als Bigband-Drummer bei einer Uraufführung mit der Basler Sinfonietta: Immer spielt er energiegeladen und auf höchstem Niveau. Jojo Mayer hat in seiner Karriere die Grenzen des Spielbaren ausgelotet, das Schlagzeugspiel erneuert und sich dadurch als einer der innovativsten und weltweit einflussreichsten Schlagzeuger seiner Generation etabliert. Dafür soll er mit dem Kulturpreis 2025 ausgezeichnet werden.
Förderpreise für Jamuna Mirjam Zweifel und Les Complices*
Jamuna Mirjam Zweifel (*1991) studierte an der Höheren Fachschule für Zeitgenössischen und urbanen Bühnentanz, heute lebt und arbeitet sie in Zürich. Nach ihrem Studium war sie beim Aufbau des Kollektivs The Field massgeblich beteiligt und prägte dessen künstlerische Handschrift entscheidend mit. Daneben arbeitet sie auch mit dem Kollektiv Zookunft.Project (Zürich/Berlin), ein autonomes Kunstforschungsprojekt, das auf urbanen Tanzformen wie z.B. Hip Hop und Breakdance basiert. Parallel dazu entwickelt sie ihre eigenen Praktiken und Projekte in der freien Tanz- und Performanceszene. Ihre Solos und Kurzstücke konnte sie auf diversen Plattformen zeigen. Jamuna Mirjam Zweifel ist eine sehr vielseitige Künstlerin. Sie unterrichtet, schreibt, musiziert und hinterfragt Bewegungen und arbeitet mit gesellschaftskritischen und umweltpolitischen Themen. Sie ist international tätig (Chile, Deutschland und Amerika) und lokal eng verbunden mit dem Tanzhaus Zürich und dem Theater am Gleis Winterthur. Als Tänzerin, Konzeptentwicklerin und Bewegungsforscherin entwickelt sie ganzheitliche Bewegungsformen und experimentiert mit disziplinübergreifenden Konzepten.
Mit der Verleihung des Förderpreises an Jamuna Mirjam Zweifel wird ihre bisherige Arbeit als Tanzschaffende gewürdigt, die Auszeichnung soll zudem das Vertrauen in ihre zukünftigen eigenen choreographischen Arbeiten zum Ausdruck bringen.
Der Kunstraum Les Complices* wurde 2002 gegründet, ist in der Stadt Zürich beheimatet und blickt auf eine langjährige Ausstellungspraxis zurück. Die von Les Complices* realisierten und produzierten Ausstellungen und Projekte bewegen sich innerhalb der Bereiche zeitgenössische Kunst, Film sowie kritische Theorie und reflektieren aktuelle, gesellschaftliche Entwicklungen. In ihren Veranstaltungen sucht Les Complices* nach Formen der kollektiven Auseinandersetzung mit Kunst, des gemeinsamen Experimentierens und voneinander Lernens. Mit dieser Herangehensweise hat Les Complices* bereits früh einen partizipativen Ansatz verfolgt und geprägt, der heute in der Kunst- und Kulturszene zum Repertoire gehört. Dabei stand weniger die perfekte Ausstellung im Zentrum, sondern die Öffnung künstlerischer Prozesse für das interessierte Publikum. Nachdem Les Complices* vor zwei Jahren das Ende drohte, ist der Kunstraum heute dank einem neuen kollektiven Geist in Aufbruchstimmung. Seit einem Jahr sind neue Kräfte für Les Complices* verantwortlich, alles Kunstschaffende mit etablierter Praxis in der Bildenden Kunst, Musik und künstlerischen Forschung, und alles Menschen mit Migrationserfahrung in der eigenen Familie. Sie machen Les Complices* mehr denn je zu einem Ort, an dem gesellschaftliche Entwicklungen mit den Mitteln der Kunst thematisiert und diskutiert werden. Das neue kuratorische Kollektiv von Les Complices* versteht Kulturarbeit als eine Praxis, die sich mit den Mitteln der Kunst kritisch mit Arbeits- und Lebensbedingungen auseinandersetzt.
Mit der Verleihung des Förderpreises 2025 soll das neue Les Complices*-Team in seiner Arbeitsweise bestärkt und in der zeitgemässen Weiterentwicklung des reichhaltigen Erbes des Kunstraumes unterstützt werden.
Goldene Ehrenmedaillen für Ilma Rakusa und Heidi Diggelmann
Ilma Rakusa (*1946), wohnhaft in Zürich, ist Autorin, Übersetzerin, Kritikerin, Philologin und Vermittlerin. Seit Jahrzehnten ist sie eine prägende Gestalt der Zürcher Kultur. Die beeindruckende Vielgestaltigkeit ihres Wirkens hat die literarische Welt in mehrfacher Weise bereichert: Als Herausgeberin von Autorinnen und Autoren, als Übersetzerin aus dem Russischen, Französischen, Ungarischen und Serbokroatischen und als Autorin ihrer eigenen Werke, die vielstimmig, kompromisslos und geduldig zwischen Lyrik, Erzählung, Roman und Essay changieren. Ilma Rakusa hat immer auch als Vermittlerin gewirkt, sei es im Feuilleton, auf der Bühne, als Moderatorin oder als Jurorin. Als kenntnisreiche und stets neugierige Brückenbauerin zwischen Ost und West, als überzeugte Vertreterin eines literarischen Ethos, das Form und Engagement zu verbinden versteht, hat sie die literarische Tradition des 20. ins 21. Jahrhundert übertragen und Zürich als internationalen Kulturplatz auf die ihr eigene Weise auf allen wichtigen Feldern elegant repräsentiert. Damit ist sie nicht zuletzt zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der nachfolgenden Generationen zum Vorbild und zur Mentorin geworden. Mit dem Gewinn des Schweizer Buchpreises 2009 für die Erinnerungspassagen «Mehr Meer» fand Ilma Rakusas Schaffen einen vorläufigen Höhepunkt. Ihr unterdessen mehr als 25 eigene Titel und noch einmal so viele Übersetzungen und Herausgaben umfassendes Werk stösst auf ungebrochenes Interesse. Poetikvorlesungen und Preise zeugen vom produktiven Echo, das Ilma Rakusas Arbeiten gefunden haben.
Mit der Goldenen Ehrenmedaille wird das Lebenswerk einer aussergewöhnlichen Literaturschaffenden und Intellektuellen gewürdigt, das seine Spuren in der Zürcher Kulturlandschaft hinterlassen hat und dies auch weiterhin tun wird.
Heidi Diggelmann (*1936) liess sich zuerst zur Primarlehrerin und erst danach zur Schauspielerin ausbilden. Sie spielte kleinere und grössere Rollen an Stadttheatern im deutschsprachigen Raum, war Teil des Cabarets Rotstift in Schlieren und des Cabarets Gygampfi in Basel, trat in der «Kleinen Niederdorfoper» und in Musicals von Hans Löffler auf. Sie arbeitete für die Salzburger Festspiele, das Theater Kanton Zürich oder das Sommertheater Winterthur, sie stand regelmässig im Bernhard Theater, im Corso, im Hechtplatz-Theater oder bei Musicalproduktionen im Opernhaus auf der Bühne. Daneben schrieb sie als Ko-Autorin Kabarettnummern, Hörspiele und Märchendramatisierungen und baute ihre eigene Praxis für Sprech- und Stimmtechniken auf, wo sie Sänger und Schauspielerinnen unterrichtete. Viele kennen Heidi Diggelmann auch aus Film und Fernsehen, wo sie in den letzten 25 Jahren in zahlreichen Schweizer Spielfilmen mitgewirkt hat. Wiederholt trat sie in Filmen von Rolf Lyssy, Sabine Boss oder Petra Volpe auf. Und auch heute, mit 87 Jahren, ist sie offen für neue Erfahrungen und gern mit jungen Kulturschaffenden im Austausch. So taucht sie immer wieder in Abschlussfilmen von jungen Film- und Theaterschaffenden der ZHdK auf oder spielte 2023 in der schräg-bunten Trittligass-Komödie von Christian Jott Jenny mit, wo sie neben weiteren Grössen des Schweizer Theaterschaffens auf der Open-Air-Bühne in der Zürcher Altstadt zu sehen war.
Mit der Goldenen Ehrenmedaille soll Heidi Diggelmann als Zürcher Schauspiel-Legende und als starke, offene Persönlichkeit ausgezeichnet werden, die das Zürcher Kulturleben mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement dauerhaft geprägt hat.
Galerie
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Gewinnerin der Goldenen Ehrenmedaille 2025: Heidi Diggelmann Quelle: Viola Tami Bild «Porträtfoto von Heidi Diggelmann» herunterladen -
Gewinnerin der Goldenen Ehrenmedaille 2025: Ilma Rakusa Quelle: Katalin Deér Bild «Porträtfoto von Heidi Diggelmann» herunterladen -
Gewinnerin des Förderpreises 2025: Jamuna Mirjam Zweifel Quelle: Ivan Giulio Minichiello Bild «Porträtfoto von Jamuna Mirjam Zweifel» herunterladen -
Gewinner der Förderpreises 2025: Der Kunstraum «Les Complices» Quelle: Les Complices Bild «Bild vom Kunstraum «Les Complices»» herunterladen